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Bereits um 6.00 Uhr begann für die ersten Teilnehmer die Fachexkursion 2013, die 44 Teilnehmer, Vorstände, Mitarbeiter von Flurneuordnungsämter sowie aktive und ehemalige Mitarbeiter des VTG vom 04.06. bis 06.06. in den Spreewald nach Brandenburg führte. An Nürnberg und Chemnitz vorbei gelangten die Teilnehmer in das vom Jahrhunderthochwasser bedrohte Elbtal bei Dresden. Eindrucksvoll der Blick in die Überflutungsgebiete rechts und links der Elbe.

Das erste Ziel war am Nachmittag der Euro-Speedway „Lausitzring" bei Klettwitz. Auf dem Gelände des ehemaligen Niederlausitzer Tagebaus war in den 90er Jahren Europas modernste Renn- und Teststrecke errichtet worden. Eine Führung – begleitet von Testfahrten des Porsche Formel 3 Teams – über Strecke, Tribüne, in das Presse- und Lagezentrum machte die Dimensionen der Anlage deutlich. Nur schade, dass der Reisebus keine Testfahrt unternehmen durfte.

Das erste landwirtschaftliche Ziel war am frühen Abend die Göritzer Agrar GmbH mit ihrem Hofladen samt Bauernküche in Göritz. Begrüßt wurden wir dort vom Geschäftsführer und Vorsitzenden des Bauernverbandes Südbrandenburg, Herrn Goebel, der uns die Eckdaten des Betriebes und der Landwirtschaft allgemein in der Region erläuterte. Der ebenfalls anwesende Geschäftsführer des Spreewaldvereins Herr Habermann stellte die Marke „Spreewald" und die Vermarktungsstrategien dieser Marke in einem lebendigen Vortrag vor. Besonders die Konzentration von verschiedenen Funktionen wie LEADER-Geschäftsstelle, Spreewaldverein u. a. zeigte die Notwendigkeit der Vernetzung in dieser strukturschwachen Region, um die Potentiale in Tourismus und Landwirtschaft zu erkennen und zu heben.

Von der Qualität der Erzeugnisse konnten sich die Teilnehmer an einem umfangreichen kalt/warmem Buffet mit typischen Spreewälder Leckereien überzeugen.
Es dämmerte bereits, als der Bus das Quartier für die nächsten beiden Nächte, die „Familienherberge Lübbenau", erreichte.

Der Vormittag des 5. Juni stand unter dem Motto „ Kohle, Sand und Bergmannshand". Die Teilnehmer besichtigten den aktiven Braunkohletagebau und Rekultivierungsmaßnahmen bei Welzow. 90 bis 130 m Deckgebirge muss abgetragen werden, um an das „Braune Gold" des Lausitzer Flöz zu gelangen. Riesige Eimerkettenbagger tragen das Deckgebirge über der Kohle ab. Dieser Abraum wird über Förderbänder einige hundert Meter zu sog. Absetzern gebracht, die den Tagebau, nachdem die Kohle entnommen wurde, mit ihren schwenkbaren Armen wieder verfüllen. Schaufelradbagger brechen die Braunkohle und leiten diese auf lange Förderbänder, die zu Verladeeinrichtungen führen. Dort wird die Kohle in Eisenbahnwaggons geladen und in das nahe Kraftwerk „Schwarze Pumpe" und eine Brikettfabrik gebracht.

Mit geländegängigen Mannschaftstransportwagen konnten die Teilnehmer den Abbau aus nächster Nähe bestaunen. Beeindruckend die Dimensionen. Rekultiviert wird das Gelände nach dem Abbau der Kohle für große Wasserflächen, aber auch für die Landwirtschaft genutzt. Sogar Weinberge wurden versuchsweise an geschützten Stellen angelegt. Beleuchtet wurden auch die massiven Grundwasserprobleme, die die Trockenlegung des Bergbaugebiets und das anschließende Steigen des Grundwassers, wenn die großen Pumpen abgestellt werden, mit sich bringt.

Frau Mietke vom „Reiterhof Partwitz" stellte den Gästen aus Baden-Württemberg während eines Mittagsimbiss ihren Pferdehof mit angeschlossener Gastronomie vor. Auf 120 ha bewirtschaftet sie Weiden und Grasflächen für die Tiere. Eigenen und Gastpferden stehen Boxen, Reithallen und Außenreitplätze zur Verfügung. Auf dem Hof bietet sie außerdem Reiterferien für Kinder an.

In sorbischer Tracht begleitete Frau Schnippa die Reisegruppe nachmittags durch das Lausitzer Seenland, einem künstlich angelegten Seengebiet, das durch Flutung stillgelegter Braunkohletagebaue im entstehen ist und bis 2018 Europas größte von Menschenhand angelegte Wasserlandschaft bilden soll. Mehr als ein Dutzend größere und kleinere Seen sollen durch Überleiter, Kanäle und Schleusen verbunden, durchgängig schiffbar gemacht werden. Eine Führung durch das Senftenberger Schloss beendete die Tagestour. Beim Abendessen erläuterte Dr. Rainer Dietrich vom Verband für Landentwicklung und Flurneuordnung Brandenburg (vlf), dem Pendant des VTG in Brandenburg, die Strukturen und Arbeitsweisen dieser Vertretung der Teilnehmergemeinschaften in Brandenburg.

Die Besichtigung der Gärtnerei der Göritzer Agrar GmbH bildete den Auftakt zum Abschlusstag der Fachexkursion. Strategien des Anbau und der Vermarktung von Gurken, Tomaten, Salat und weiterem Obst und Gemüse wurden vom Leiter der Gärtnerei Herrn Peschang anschaulich vorgestellt.

Der Besuch des Freilandmuseums Lehde mit seinen ursprünglichen sorbischen Hofanlagen, die aus dem gesamten Spreewaldgebiet hierher zusammengetragen wurden, stand als nächster Punkt auf dem Programm. Hier kann die Wohn- und Lebensweise der Bauern und Handwerker, die so über Jahrhunderte lebten, erfahren werden. Zwei typische Stocherkähne nahmen dann die Teilnehmer auf, um die Kanäle rund um das heute von ca. 130 Menschen bewohnten Dorf Lehde zu befahren. Eine in Europa einzigartige Kulturlandschaft, die von den Menschen über Jahrhunderte der Natur abgetrotzt wurde.

Am frühen Nachmittag verließen die Teilnehmer der Fachexkursion wieder den Spreewald und machten sich auf die Heimreise nach Baden-Württemberg. Voll von Eindrücken aus einem der östlichsten Gebiete Deutschlands, das geprägt durch den Tagebau sein Gesicht in den letzten Hundert Jahren zum Teil vollständig verändert hat, zum Teil aber noch sehr ursprünglich und ländlich geprägt ist. Die großen politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen nach dem Fall der innerdeutschen Mauer mussten hier innerhalb kürzester Zeit bewältigt werden. Landwirtschaft und seit einigen Jahren der Tourismus sind heute bestimmend für diese Region und müssen den sich weiter ändernden Bedingungen angepasst werden.

VTG Vorstand Oskar Sessler sprach wohl allen Teilnehmern aus dem Herzen, als er zum Abschied diese gelungene und interessante Reise Revue passieren ließ und das ausgewogene Programm und die hervorragende Organisation dieser Fachexkursion würdigte.

1 lausitzring klettwitz

2 tagebau welzow-sd

3 tagebau welzow sd
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7 grtnerei gritzer agrar gmbh 8 freilandmuseum lehde 9 die teilnehmer beim stocherkanfahren

 

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