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VTG-Fachexkursion 2011 Elsass-Vogesen-Straßburg


In den frühen Morgenstunden des 10. Mai 2011 starteten 50 Teilnehmer, Mitglieder, Vorstände und Beschäftigte des VTG und der Flurneuordnungsverwaltung zur dreitägigen VTG-Fachexkursion 2011 in Richtung Elsass, Vogesen und Straßburg. Ziel dieser Reise war ein direkter Vergleich der Lebensverhältnisse im ländlichen Raum und der Ansätze der Landentwicklung diesseits und jenseits des Rheins.


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Das erste Exkursionsziel befand sich noch in heimischen Gefilden. Angesteuert wurde der Ramsteinerhof in Fischerbach-Hintertal im mittleren Schwarzwald.

Dort stellte der Leiter der Flurbereinigungsbehörde des Ortenaukreises, Dieter Weishaar, seinen Landkreis, die dort anhängigen Flurneuordnungsverfahren und speziell das Schwarzwaldverfahren Fischerbach vor.

Anschließend gab der Generalsekretär des Eurodistrikts Strasbourg-Ortenau, Dr. Marcus Obrecht, einen Überblick über die Struktur, die Ziele und die aktuellen Projekte dieses regionalen, grenz überscheitenden Gebietszusammenschlusses. Veranschaulicht hat er seine Ausführungen an den praktischen Fragestellungen des Alltags der Menschen des Eurodistrikts.

Schließlich stellten die Eheleute Ulrich und Brigitte Müller ihren Betrieb vor und bewerteten die Vorteile der Flurbereinigung Fischerbach, deren Vorsitzender Herr Müller ist, aus ihrer Sicht. Beeindruckend ist die breite Diversifizierung des Ramsteinerhofes. Von der Holzvergasung zur Energieerzeugung, der Veredelung von Streuobst in der eigenen Brennerei, über die klassische Wald- und Landwirtschaft, Viehhaltung, bis hin zur Direktvermarktung und dem Angebot von Urlaub auf dem Bauernhof steht dieser Betrieb auf mehreren sich ergänzenden Standbeinen.

Während der Ausführungen konnten sich die Reiseteilnehmer bei einem sehr vielfältigen, frischen und mit regionalen Spezialitäten bestückten Vesper ausgiebig stärken.

Mit diesem ersten Programmpunkt wurden die typischen Strukturen des Schwarzwaldes nochmals verdeutlicht und konnten – frisch in Erinnerung gebracht - bei den folgenden Programmpunkten mit den Verhältnissen jenseits des Rheins verglichen werden.

Der Zweite Programmpunkt des Tages war ein Pilzzuchtbetrieb in Batzendorf (District du Bas-Rhin). Nach der Übernahme der elterlichen Althofstelle überlegten die beiden Söhne Vincent und Francis Lang, wie der umfangreiche Bestand an Wirtschaftsgebäuden sinnvoll und auch rentabel genutzt werden könne. Ihre Idee war, durch eine Klimatisierung der Scheunen optimale Bedingungen für die Zucht von Pilzen zu schaffen. Heute werden in diesem 2-Mann-Betrieb täglich ca. 200 Kilogramm davon geerntet und überwiegend frisch, aber auch in weiterverarbeiteter Form, regional auf Märkten und in der Gastronomie vermarktet. Eine Kostprobe ergänzt durch selbstgebrautes Bier lässt auch weiterhin Erfolg für diese Geschäftsidee erahnen.

Unterwegs auf der Fahrt nach Batzendorf wurden mehrere Unternehmensflurneuordnungsverfahren im Zusammenhang mit dem Bau der TGV-Strecke Paris - Straßburg tangiert. Die Struktur der Flurneuordnungsverwaltung im Elsass wurde vorgestellt.

Ideen für die nächste Urlaubsplanung konnten sich die Reiseteilnehmer im weiteren Verlauf der Exkursion holen. Thema war „Ländlicher Tourismus auf dem Wasser – führerscheinfreie Hausbootferien auf dem Rhein-Marne-Kanal". Dieser Kanal muss die Vogesen überqueren und besitzt somit zahlreiche Schleusen und auch Tunnel. Eines der imposantesten technischen Bauwerke ist das Schiffshebewerk bei Arzviller, welches einen Höhenunterschied von über 44 Meter überwindet und vor Ort in Aktion besichtigt wurde. Fachkundige Erläuterungen und ein Blick auf einige Hausboote aus nächster Nähe waren inklusive.

Auf der Fahrt zum Hotel in Riquewihr quer durch die Vogesen wurde bei schönstem Wetter auf dem imposanten Buntsandsteinfels Le Rocher de Dabo eine nachmittägliche Kaffee-Picknick-Pause eingelegt. Die Höhe von 664 Meter bot einen grandiosen Überblick über die nördlichen Vogesen und die in die Landschaft eingebetteten Dörfer. Im Verhältnis zum Kinzigtal fiel auf, dass es in den Dörfern und an den -Rändern keine Gewerbeansiedlungen gab. Fehlende Arbeitsplätze. Durch einen Aufstieg auf den Turm der Kapelle St. Leo IX auf dem Gipfel des Berges wurde dieser Eindruck noch einmal verstärkt.

Den Abschluss des ersten Tages bildete ein Abendessen mit elsässischen Spezialitäten in der Domaine Charles Sparr und ein Rundgang durch Riquewihr.

Am zweiten Tag stand eine Führung im mittelalterlichen Fachwerkstädtchen Bergheim (ca. 1.800 Einwohner) auf dem Programm. Dabei wurde deutlich, dass die Gemeinden im ländlichen Raum des Elsass mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie in Deutschland. Neben schönen und gepflegten Straßen und Gebäuden war auch leerstehende, verfallende Bausubstanz zu entdecken. Nach dem geführten Stadtrundgang begrüßte uns der ehrenamtliche Bürgermeister Pierre Bihl, der auch Stellvertreter des Departmentpräsidenten ist, bei Kougelhopf und Cremant und stellte seine Gemeinde vor. Insbesondere berichtete er über seine Erfahrungen auf dem Gebiet der interkommunalen Zusammenarbeit, der Bauleitplanung und Entwicklungsziele vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Der Bau von Alten- und Pflegeheimen sowie Parkgebühren und -regelungen in der Innenstadt vor dem Hintergrund der Belebung des innerörtlichen Handels sind auch in Bergheim aktuelle kommunalpolitische Themen.

Anschließend führte die Fahrt nach Straßburg, um die Stadt-/Umlandbeziehung kennen zu lernen. Zunächst erwartete die Exkursionsteilnehmer eine sachkundig geführte Stadtrundfahrt mit dem Bus, der ein Altstadtrundgang zu Fuß inklusive Münsterbesichtigung folgte. Natürlich durfte ein Besuch des Europäischen Parlamentes nicht fehlen. Von der Besuchertribüne aus konnte die Debatte um die "Zulassung der Verarbeitung und Vermarktung von Produkten mit geklonter Herkunft" verfolgt werden. Eine Mitarbeiterin des Besuchsdienstes des Parlaments stand anschließend für alle Fragen rund um den Parlamentsbetrieb und das Leben eines Abgeordneten im Europäischen Parlament zur Verfügung. Zum Abschluss des Aufenthalts im Parlament stand eine Diskussion mit der EU-Haushaltsexpertin Frau Dr. Ingeborg Gräßle MdEP (EVP), Heidenheim, auf der Tagesordnung.

Nicht fehlen darf bei einem Besuch im Elsass natürlich die Besichtigung eines Weingutes. Angemeldet waren wir bei der Domaine Hering in Barr. Nach der Kellerbesichtigung und der Vorstellung des Betriebes durch das Betriebsleiterehepaar Fabienne und Jean-Daniel Hering durften wohlschmeckende Weine verkostet werden. Unter den sieben im Elsass überwiegend angebauten Rebsorten ist mit dem Pinot Noir (Spätburgunder) nur ein Rotwein zu finden. Das Abendessen dieses Tages vermittelte ein weiteres elsässer Lebensgefühl: Flammkuchen satt in verschieden Variationen.

Der letzte Exkursionstag begann mit einer Besichtigung und Führung auf der Hoch-Königsburg. Wie das Elsass insgesamt besitzt diese Burg eine interessante und vor allem wechselhafte Geschichte. Genauso wechselhaft war das Wetter an diesem Morgen. Die Vogesen zeigten sich von ihrem zweiten Gesicht: Regen und dichter Nebel, leider an diesem Tag keine grandiose Fernsicht von hier oben.

Die nächste Station war eine Ferme Auberge, eine bäuerliche Herberge in den Vogesen – quasi das Pendant zum Schwarzwaldhof mit Pensionsangebot. In den rund 50 Ferme Auberges der Vogesen werden traditionell neben der Land- und Forstwirtschaft mit Tourismus und Selbstvermarktung weitere Einkommensquellen erschlossen. Auf dem Speiseplan stand eine weitere Elsässer Spezialität – der Bäckeoffe. Zutaten sind (kurzgefasst) verschiedene Fleischsorten, allerlei Gemüse und Kartoffeln, eben was die Speisekammer und die jeweilige Jahreszeit im Moment zu bieten hat. Ein ideales Gericht, um die eigenen Produkte zur Bewirtung von Gästen veredeln zu können.

Ein Varieté-Theater wie in Paris im ländlichen Raum mitten im Elsass – ist das vorstellbar und rentabel? Ob rentabel, wird die Zeit zeigen müssen. Aber für uns auf jeden Fall jetzt auch vorstellbar. Denn in Soultzmatt kann man genau dies finden. Aus der ehemaligen Produktionshalle einer Sprudelfabrik entstand im Jahr 2008 für eine Investitionssumme von rund fünf Millionen Euro das Varieté-Theater Le Paradis de Scources, das den Vergleich mit den großen Bühnen von Paris nicht zu scheuen braucht. In einer 105 minütigen Non-Stop-Revue wurden die Reiseteilnehmer verzaubert und in eine andere Welt entführt.

Langsam neigte sich auch die 7. VTG-Fachexkursion ihrem Ende entgegen. Auf der Fahrt durch das Rheintal und das Elztal fasste Oskar Sessler, stellvertetender VTG-Vorstand, die Höhepunkte und die neu gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse nochmals zusammen.

Der letzte Halt war wieder im Schwarzwald, nahezu am Ausgangspunkt der 3-tägigen Fachexkursion 2011. Im Landhotel Hirschen in Oberwolfach schmeckte den Teilnehmern nach drei Tagen kulinarischer Spezialitäten des Elsass  auch das reichhaltige Schwarzwaldbuffet wieder sehr gut. Zwischen Suppe und Hauptgang auch eine Gelegenheit für Jürgen Nowak, Bürgermeister von Oberwolfach und stellvertretender Präsident des VTG, noch abschließend seine Gemeindeentwicklung, den ländlichen Tourismus und seine Flurneuordnung vorzustellen.

Mit vielen neuen Eindrücken, Ideen, Anregungen und Erkenntnissen im Kopf haben die Exkursionsteilnehmer übereinstimmend festgestellt, dass sich diese VTG-Fachexkursion wieder einmal gelohnt hat.

Die Fachexkursion 2012 wird voraussichtlich nach Hessen führen. Erste Anmeldungen liegen der Geschäftsstelle bereits vor.

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